Erste Säule
Gesetzliche Rente
Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) ist für die meisten Menschen in Deutschland das Fundament der Altersvorsorge. Sie ist umlagefinanziert: Aus den Beiträgen der heutigen Beschäftigten werden die heutigen Renten gezahlt. Wir erklären die wichtigsten Kennzahlen, damit Sie Ihre Renteninformation einordnen können — ohne Werbung, ohne Produktverkauf.
KI-generiertSo entsteht Ihre gesetzliche Rente
Ihre monatliche Bruttorente ergibt sich aus einer einfachen Formel: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × aktueller Rentenwert. Klingt technisch, ist aber eine bewusste Konstruktion, damit Beiträge nachvollziehbar in Rentenansprüche umgerechnet werden können.
Ein Entgeltpunkt entspricht in einem Kalenderjahr ungefähr dem Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Wer 2025 rund 45.358 € brutto verdient, erhält einen Entgeltpunkt. Wer die Hälfte verdient, bekommt 0,5 Punkte; wer das Doppelte verdient, bekommt maximal die Beitragsbemessungsgrenze zugesprochen. Über das gesamte Erwerbsleben summieren sich diese Punkte.
Der aktuelle Rentenwert gibt an, wie viel ein Entgeltpunkt monatlich an Rente bringt. Seit dem 1. Juli 2024 beträgt er bundeseinheitlich 39,32 €. Wer über sein Leben 40 Entgeltpunkte gesammelt hat, kommt so auf rund 1.573 € Bruttorente vor Sozialabgaben und Steuern.
Ihre Renteninformation richtig lesen
Ab dem 27. Lebensjahr erhalten alle Versicherten mit mindestens fünf Beitragsjahren einmal jährlich die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie zeigt drei Werte, die oft verwechselt werden:
- Bereits erreichte Rente: was Sie schon jetzt an monatlicher Rente „auf dem Konto" haben, wenn Sie ab sofort keine Beiträge mehr zahlen würden.
- Rente bei gleichbleibender Beitragshöhe: die Hochrechnung bis zum Regelrentenalter, falls Ihr aktuelles Einkommen bis dahin unverändert bleibt.
- Kaufkraftverlust durch Inflation: eine Beispielrechnung, was 1 % oder 2 % jährliche Preissteigerung mit dem realen Wert Ihrer künftigen Rente machen.
Wichtig: Die Renteninformation nennt Bruttowerte. Davon gehen in der Rentenphase noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie ggf. Steuern ab. Wer die Nettorente schätzen möchte, sollte pauschal 10–15 % Abzüge einplanen.
Regelaltersgrenze, Frührente und Abschläge
Die Regelaltersgrenze steigt schrittweise auf 67 Jahre. Wer 1964 oder später geboren ist, geht regulär mit 67 in Rente. Ein früherer Rentenbeginn ist möglich, aber teuer: Für jeden Monat, den Sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen, wird Ihre Rente um 0,3 % dauerhaft gekürzt — maximal 14,4 % bei 48 Monaten Vorziehen.
Neben der Regelaltersrente gibt es unter anderem die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (45 Beitragsjahre, abschlagsfrei ab 65) und die Altersrente für langjährig Versicherte (35 Beitragsjahre, mit Abschlägen bereits ab 63). Umgekehrt lohnt sich ein späterer Rentenstart mit Zuschlägen von 0,5 % pro Monat.
Rentenlücke: Warum die gesetzliche Rente selten reicht
Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente (45 Entgeltpunkte) zum Durchschnittseinkommen. Derzeit liegt es bei rund 48 % — Ziel der Politik ist eine Haltelinie bei mindestens 48 % bis 2039. Konkret heißt das: Selbst nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst ersetzt die gesetzliche Rente weniger als die Hälfte des letzten Nettoeinkommens.
Diese Rentenlücke ist keine Fehlkonstruktion, sondern politisch so gewollt: Das Umlagesystem soll bezahlbar bleiben, die zweite und dritte Säule (betriebliche und private Vorsorge) sollen den Rest übernehmen. Ob und wie viel Sie zusätzlich brauchen, hängt von Ihrem Lebensstandard, Ausgaben im Alter und Ihrer Familiensituation ab.
Freiwillige Beiträge und Rentenpunkte nachkaufen
Wer über die gesetzliche Rente hinaus Ansprüche aufbauen möchte, kann in bestimmten Situationen freiwillige Beiträge einzahlen — etwa bei Selbständigkeit ohne Rentenversicherungspflicht oder für Zeiten im Ausland. Ab dem 50. Lebensjahr besteht zudem die Möglichkeit, Rentenabschläge durch Sonderzahlungen auszugleichen. Rechnerisch kann das attraktiv sein, ist aber steuerlich und individuell zu prüfen.
Ob freiwillige Beiträge oder ein Ausgleich sinnvoll sind, hängt stark von Lebenserwartung, Steuersituation und alternativen Anlagemöglichkeiten ab. Diese Entscheidung gehört in eine strukturierte Beratung — RentenPilot liefert die Orientierung, nicht die Produktempfehlung.